Corporate Governance

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Swissgrid AG (im Folgenden: Swissgrid) messen einer guten Unternehmensführung (Corporate Governance) eine hohe Bedeutung bei. Die nachfolgenden Ausführungen orientieren sich am «Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance». Alle Angaben beziehen sich auf das Stichdatum 31. Dezember 2014, sofern nicht anders vermerkt.

1. Unternehmensstruktur und Aktionariat

1.1 Unternehmensstruktur

Die operative Unternehmensstruktur der Swissgrid stellt sich wie folgt dar:
Die Beteiligungen von Swissgrid sind im Anhang der Jahresrechnung auf Seite 56 aufgeführt.

1.2 Aktionäre

Die Schweizer Elektrizitätsunternehmen Alpiq AG, Alpiq Suisse AG, AIL Servizi SA, Axpo Power AG, Axpo Trading AG, Azienda Elettrica Ticinese, Aziende Industriali di Lugano (AIL) SA, BKW Netzbeteiligung AG, Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW), EnAlpin AG, Energie Wasser Bern, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, Elektrizitätswerk Obwalden, FMV SA, IWB Industrielle Werke Basel, Kraftwerke Hinterrhein AG, Officine idroelettriche della Maggia SA, Officine idroelettriche di Blenio SA, Repower AG, Schweizerische Bundesbahnen SBB und SN Energie AG halten per 31. Dezember 2014 zusammen 100% des Swissgrid-Aktienkapitals. Swissgrid befindet sich im direkten oder indirekten Mehrheitsbesitz der Kantone und Gemeinden. Mit der Kapitalerhöhung per 5. Januar 2015 wurde das Aktionariat um neun zusätzliche Unternehmen erweitert. Die aktuelle Aktionärsstruktur ist online einsehbar (www.swissgrid.ch).

1.3 Kreuzbeteiligungen

Es bestehen keine Kreuzbeteiligungen.

2. Kapitalstruktur

2.1 Kapital und Beschränkung der Übertragbarkeit

Das ordentliche Aktienkapital per 31. Dezember 2014 besteht aus 276 350 637 Namenaktien mit einem Nennwert von je CHF 1. Darin enthalten ist eine aus bedingtem Kapital erfolgte Kapitalerhöhung im Umfang von CHF 635 044 aus der ersten Bewertungsanpassung der per 6. Januar 2014 an Swissgrid überführten Anlagenelemente des Übertragungsnetzes. Mit Eintrag ins Handelsregister am 5. Januar 2015 hat Swissgrid zudem weitere Anlagen des Übertragungsnetzes übernommen und ihr Aktienkapital entsprechend um CHF 35 708 331 erhöht. Das bedingte Aktienkapital besteht per 31. Dezember 2014 aus maximal 129 364 956 Namenaktien mit einem Nominalwert von je CHF 1. Mit Eintrag ins Handelsregister am 5. Januar 2015 wurde das bedingte Kapital wieder um CHF 635 044 auf den ursprünglichen Wert von CHF 130 Mio. erhöht. Das bedingte Aktienkapital steht im Zusammenhang mit erhaltenen Wandeldarlehen, mit denen Swissgrid die Überführung des Übertragungsnetzes finanziert. Wandelrechte können durch die Gläubiger während höchstens 20 Jahren ausgeübt werden. Die Bezugsrechte der Aktionäre sind ausgeschlossen. Auch die Vorwegzeichnungsrechte der Aktionäre sind ausgeschlossen, da die Wandelanleihen der Finanzierung der Übernahme der eingebrachten Netzgesellschaften bzw. einzelnen Anlagenelemente oder der einfachen und raschen Verbesserung der Kapitalausstattung von Swissgrid dienen.

Es besteht kein genehmigtes Kapital. Die Aktien der Gesellschaft dürfen laut Art. 18 Abs. 5 StromVG nicht an einer Börse kotiert werden. Der Verwaltungsrat führt ein Aktienbuch, in welches die Eigentümer und Nutzniesser mit Namen und Adresse eingetragen werden. Im Verhältnis zur Gesellschaft wird als Aktionär oder als Nutzniesser nur anerkannt und kann die Aktionärsrechte nur ausüben, wer im Aktienbuch eingetragen ist. Für die Bestimmung der Teilnahme und Vertretungsberechtigung an der Generalversammlung ist der Stand der Eintragungen im Aktienbuch am 20. Tag vor der Generalversammlung massgebend. Das Aktienkapital und die damit verbundenen Stimmrechte müssen laut Art. 18 Abs. 3 StromVG mehrheitlich direkt oder indirekt den Kantonen und Gemeinden gehören. Bei Aktienübertragungen (Verkauf, Schenkung, Ausübung von Vorkaufsrechten und Bezugsrechten etc.) müssen diese Mehrheiten gewahrt werden. Sollte eine vorgesehene Transaktion eines dieser Mehrheitserfordernisse verletzen, ist die Zustimmung durch den Verwaltungsrat zwingend zu verweigern.

Es existieren weder Partizipations- noch Genussscheine, ausserdem wurden keine Optionen ausgegeben.

2.2 Kapitalveränderungen

Weitere Informationen über das Aktienkapital und die Kapitalveränderungen der letzten zwei Jahre finden sich in der Übersicht zur Entwicklung des Eigenkapitals auf Seite 29.

3. Verwaltungsrat

3.1 Mitglieder des Verwaltungsrates, weitere Tätigkeiten und Interessenbindungen

  Name, Nationalität, Funktion, Ausbildung, Erstwahl in den Verwaltungsrat Berufliche Erfahrungen, Werdegang Weitere Tätigkeiten und eventuelle Interessenbindungen Mitglied in Ausschüssen
Adrian Bult (*1959, CH) Präsident (seit 10. Dezember 2012), unabhängiges Mitglied Lic. oec. 14. Dezember 2006 COO Avaloq Evolution AG (2007 bis 2012); zuvor CEO Swisscom Mobile AG und CEO Swisscom Fixnet AG sowie Mitglied der Geschäftsleitung von IBM Schweiz Verwaltungsrat Swissquote Holding AG, Enkom AG, AdNovum AG, Garaio AG, Alfred Müller AG, SWICA und Regent AG; Präsident Stiftung KEV Vorsitz Strategieausschuss, Mitglied Personal- und Entschädigungsausschuss, Vorsitz Steuerungsausschuss Projekt GO!+ (Überführung Übertragungsnetz), Vorsitz Steuerungsausschuss Projekt Strategische Finanzierung Swissgrid AG, Vorsitz Sonderausschuss Sicherheitsstrategie Swissgrid AG
Doris Russi Schurter (*1956, CH) Vizepräsidentin (seit 10. Dezember 2012), unabhängiges Mitglied Lic. iur., Rechtsanwältin 11. Dezember 2007 Rechtsanwältin mit eigener Praxis, Anwaltskanzlei Burger & Müller (seit 2005); zuvor Partnerin bei KPMG Schweiz und Leiterin von KPMG Luzern Vizepräsidentin des Verwaltungsrats der Helvetia Holding AG, Verwaltungsrätin der Luzerner Kantonalbank AG und der LZ Medien Holding AG; Präsidentin der Vereinigung Schweizerischer Unternehmen in Deutschland VSUD Vorsitz Finanz- und Prüfungsausschuss, Mitglied Sonderausschuss Sicherheitsstrategie Swissgrid AG
Christophe Bossel (*1968, CH) Verwaltungsrat, Branchenvertreter Lic. Ing., eMBA 21. Mai 2013 Leiter Geschäftsbereich Netze BKW Energie AG; zuvor als Leiter Asset Management; Produktionsleiter bei den SBB in Yverdon; Entwicklung von medizintechnischen Geräten (Leiter Methode & Produktion) bei Electro Medical Systems in Nyon Verwaltungsrat der onyx Energie Mittelland AG und Spontis SA Mitglied Finanz- und Prüfungsausschuss
Marcel Frei (*1959, CH) Verwaltungsrat, Branchenvertreter Eidg. dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling 10. Dezember 2012 Direktor ewz (seit 2012); zuvor Finanzchef und stellvertretender Direktor beim ewz Verwaltungsrat bei ewz-nahen Gesellschaften und bei verschiedenen Unternehmen im Energiebereich Mitglied Finanz- und Prüfungsausschuss
Isabelle Moret (*1970, CH) Verwaltungsrätin, unabhängiges Mitglied Lic. iur., LL.M., Rechtsanwältin 10. Dezember 2012 Avocate-conseil mit eigener Kanzlei Nationalrätin, Vizepräsidentin FDP Schweiz; Stiftungsrätin Pensionskasse ECA-RP, Verwaltungsrat Retraites Populaires Mitglied Personal- und Entschädigungsausschuss
Claude Nicati (*1957, CH) Verwaltungsrat, Kantonsvertreter Lic. iur., Rechtsanwalt 24. Juni 2014 Selbständiger Anwalt; vorher Regierungsrat des Kantons Neuenburg, Chef Departement für Raumplanung (2009–2013); zuvor Stellvertretender Bundesanwalt (2001–2009) und Untersuchungsrichter des Kantons Neuenburg (1997–2001); zuvor leitende Positionen bei der Gemeinde- und Kantonspolizei   Mitglied Personal- und Entschädigungsausschuss, Mitglied Sonderausschuss, Sicherheitsstrategie Swissgrid AG
Fadri Ramming (*1962, CH) Verwaltungsrat, Kantonsvertreter Lic. iur., Rechtsanwalt und Notar 14. Dezember 2006 Rechtsanwalt und Notar mit eigener Kanzlei Mitglied der schweizerischen Verhandlungsdelegation für ein Abkommen Schweiz–EU im Strombereich (Vertreter der Kantone); Präsident des Verwaltungsrates der Psychiatrischen Dienste Graubünden; Generalsekretär der Regierungskonferenz der Gebirgskantone Mitglied Strategieausschuss
Andrew Walo (*1963, CH, GB) Verwaltungsrat, Branchenvertreter Lic. oec. publ., Dr. oec. publ. 24. Juni 2014 CEO Axpo Holding AG (seit 2014), zuvor als CEO CKW AG (2004–2014), zuvor war er Geschäftsführer der SN Energie AG (2001–2004) davor in führenden Positionen bei Alstom und ABB Präsident des Vorstands Swisselectric; Mitglied im Vorstandsausschuss der Economiesuisse (Verband der schweizerischen Unternehmen) und Mitglied im Beirat Entsorgung Mitglied Strategieausschuss
Michael Wider (*1961, CH) Verwaltungsrat, Branchenvertreter Lic. iur., MBA 30. Juni 2009 Head Generation, Stv. CEO Alpiq Holding AG (seit 2009); zuvor in verschiedenen Funktionen der Geschäftsleitung von Stromunternehmen Präsident oder Mitglied des Verwaltungsrates verschiedener Strom- erzeugungsunternehmen; Vorstandsmitglied swisselectric Mitglied Strategieausschuss Mitglied Sonderausschuss Sicherheitsstrategie Swissgrid AG

Austritte in der Berichtsperiode

  • Thomas Burgener (unabhängiges Verwaltungsratsmitglied), per 24. Juni 2014
  • Manfred Thumann (Axpo), per 24. Juni 2014

3.2 Wahl und Amtszeit

Der Verwaltungsrat besteht aus mindestens drei gewählten Mitgliedern. Die Mehrheit der Mitglieder und der Präsident müssen die Unabhängigkeitsvoraussetzungen gemäss Art. 18 Absatz 7 StromVG erfüllen. Der Verwaltungsrat wird in der Regel an der ordentlichen Generalversammlung und jeweils für die Dauer von einem Jahr gewählt. Die Amtsdauer der Mitglieder des Verwaltungsrates endet mit dem Tag der nächsten ordentlichen Generalversammlung. Allen Kantonen zusammen steht das Recht zu, zwei Mitglieder in den Verwaltungsrat der Gesellschaft abzuordnen und abzuberufen (Art. 18 Abs. 8 StromVG). Die Mitglieder des Verwaltungsrates sind jederzeit wieder wählbar. Der Verwaltungsrat konstituiert sich selbst. Er bezeichnet seinen Präsidenten, seinen Vizepräsidenten und den Sekretär, der nicht Mitglied des Verwaltungsrates sein muss.

3.3 Interne Organisation

Dem Verwaltungsrat obliegen die oberste Leitung der Gesellschaft und die Überwachung der Geschäftsführung. Er vertritt die Gesellschaft nach aussen und besorgt alle Angelegenheiten, die nicht nach Gesetz, Statuten oder Reglement einem anderen Organ der Gesellschaft übertragen sind. Der Verwaltungsrat kann unter Wahrung der gesetzlichen Vorgaben zur Unabhängigkeit (Art. 18 Abs. 7 StromVG) die Geschäftsführung oder einzelne Teile derselben sowie die Vertretung der Gesellschaft an eine oder mehrere Personen, Mitglieder des Verwaltungsrates oder Dritte, die nicht Aktionäre sein müssen, übertragen. Er erlässt das Organisationsreglement und ordnet die entsprechenden Vertragsverhältnisse. Die Kompetenzen von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung sind im Organisationsreglement festgelegt. Die Mitglieder nehmen innerhalb Swissgrid keine Exekutivfunktion wahr. Der Verwaltungsrat traf sich im abgelaufenen Geschäftsjahr zu acht Sitzungen und bestritt vier Telefonkonferenzen.

3.4 Verwaltungsratsausschüsse

Um das Fachwissen und die breit gefächerte Erfahrung der einzelnen Mitglieder gezielt in die Entscheidungsfindung einfliessen oder zur Wahrung seiner Aufsichtspflicht Bericht erstatten zu lassen, hat der Verwaltungsrat aus seiner Mitte drei Ausschüsse gebildet, die ihn bei seinen Führungs- und Kontrolltätigkeiten in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung unterstützen: den Strategieausschuss, den Finanz- und Prüfungsausschuss sowie den Personal- und Entschädigungsausschuss. Die Aufgaben und Kompetenzen der Verwaltungsratsausschüsse sind im Organisationsreglement detailliert geregelt.

Strategieausschuss Der Strategieausschuss unterstützt den Verwaltungsrat im Strategieprozess. Er berät die strategischen Grundlagen im Auftrag des Verwaltungsrates und überprüft regelmässig die Strategie zuhanden des Verwaltungsrates. Der Ausschuss nimmt Stellung zu Anträgen, die strategische Fragen betreffen. Der Strategieausschuss traf sich im abgelaufenen Geschäftsjahr zu vier Sitzungen und bestritt eine Telefonkonferenz.

Finanz- und Prüfungsausschuss Der Finanz- und Prüfungsausschuss unterstützt den Verwaltungsrat in seiner Oberaufsichtsfunktion, namentlich bezüglich der Vollständigkeit der Abschlüsse, der Erfüllung der rechtlichen Vorschriften, der Befähigung sowie der Leistungen der externen Revisionsstelle. Der Finanz- und Prüfungsausschuss beurteilt die Zweckmässigkeit der Finanzberichterstattung, des internen Kontrollsystems und der allgemeinen Überwachung von geschäftlichen Risiken. Er stellt die laufende Kommunikation zur externen Revisionsstelle bezüglich Finanzlage und Geschäftsgang sicher. Er trifft die erforderlichen Vorbereitungen im Zusammenhang mit der Wahl oder der Abberufung der Revisionsstelle. Der Finanz- und Prüfungsausschuss traf sich im abgelaufenen Geschäftsjahr zu fünf Sitzungen und bestritt eine Telefonkonferenz.

Personal- und Entschädigungsausschuss Der Personal- und Entschädigungsausschuss erarbeitet Grundsätze für sämtliche Entschädigungsbestandteile der Mitglieder des Verwaltungsrates, des CEO sowie der Geschäftsbereichsleiter und stellt dem Verwaltungsrat entsprechend Antrag. Der Ausschuss legt die Entschädigungen des CEO und der Mitglieder der Geschäftsleitung fest, die Basis dazu bildet das vom Verwaltungsrat genehmigte Kompensationskonzept. Der Ausschuss nimmt Stellung zu Veränderungen innerhalb der Geschäftsleitung, welche vom CEO beantragt werden. Zudem befasst er sich mit der Sicherstellung der Nachfolgeplanung auf Stufe Verwaltungsrat und Geschäftsleitung. Der Personal- und Entschädigungsausschuss traf sich im abgelaufenen Geschäftsjahr zu drei Sitzungen und bestritt eine Telefonkonferenz.

Sonderausschuss Sicherheitsstrategie Der Verwaltungsrat kann für spezifische Aufgaben ad hoc Ausschüsse einsetzen. 2014 hat der Verwaltungsrat einen Sonderausschuss Sicherheit einberufen, welcher den Verwaltungsrat bezüglich der Sicherheitsstrategie und weiterer sicherheitsrelevanter Fragen vorberatend unterstützt.

3.5 Informations- und Kontrollinstrumente gegenüber der Geschäftsleitung

Informations- und Kontrollinstrumente Der Verwaltungsrat verfügt hauptsächlich über folgende Instrumente zur Überwachung und Kontrolle der Geschäftsleitung:

  • An den Verwaltungsratssitzungen präsentiert und kommentiert die Geschäftsleitung den Geschäftsgang und legt alle wichtigen Themen zur Diskussion oder Entscheidung vor.
  • Das VR-Reporting wird quartalsweise erstellt und enthält wichtige Kennzahlen zum finanziellen Geschäftsverlauf, versehen mit Kommentaren der Geschäftsleitung.
  • Der schriftliche Bericht des CEO wird an jeder ordentlichen VR-Sitzung vorgelegt und behandelt auch wiederkehrende Themen, z.B. das SDL-Reporting, Netzausbauprojekte und wichtige Leistungskennzahlen (KPI).
  • Weitere periodisch wiederkehrende Informationsinstrumente des Verwaltungsrates sind der Risikobericht sowie die Berichte zu den Entwicklungen in der Schweiz und in Europa im Energiebereich.
  • Die externe Revisionsstelle erstellt jährlich einen schriftlichen Bericht zuhanden des Verwaltungsrates (vgl. dazu auch die Ausführungen in Kapitel 7.2 auf Seite 96).

Internes Kontrollsystem Das interne Kontrollsystem (IKS) hat eine wichtige Bedeutung als Teil der Unternehmenssteuerung und -überwachung und beinhaltet alle vom Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung angeordneten Vorgänge, Methoden und Massnahmen, die dazu dienen, einen ordnungsgemässen Ablauf des Geschäftsbetriebs bei Swissgrid sicherzustellen. Die operativen internen Kontrollen sind in die Betriebsabläufe integriert, das heisst, sie erfolgen arbeitsbegleitend oder sind dem Arbeitsvollzug unmittelbar vor- oder nachgelagert. Interne Kontrollen werden nicht in einer separaten IKS-Funktion zusammengefasst, sondern sind vielmehr ein integrierter Bestandteil der Prozesse. Das IKS bei Swissgrid, welches sich auf Schlüsselrisiken und -kontrollen konzentriert, wird auf allen Organisationsstufen betrieben und bedingt ein hohes Mass an Eigenverantwortung der Mitarbeitenden.

Internal Audit Die interne Revision ist dem Verwaltungsrat unterstellt, wobei dem Finanz- und Prüfungsausschuss gewisse operative Führungsaufgaben übertragen werden. Die interne Revision erbringt unabhängige und objektive Prüfungs- und Beratungsdienstleistungen, welche darauf ausgerichtet sind, Mehrwerte zu schaffen und die Geschäftsprozesse zu verbessern. Sie unterstützt die Organisation bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, indem sie mit einem systematischen und zielgerichteten Ansatz die Effektivität des Risikomanagements und des internen Kontrollsystems (d.h. der Führungs- und Überwachungsprozesse) beurteilt und zu verbessern hilft. Der Verwaltungsrat genehmigt auf Antrag des Finanz- und Prüfungsausschusses jährlich die Revisionsplanung der internen Revision. Die interne Revision verfolgt dabei einen risikoorientierten Prüfungsansatz. Die einzelnen Prüfungsberichte werden dem Präsidenten sowie dem Finanz- und Prüfungsausschuss vorgelegt und an jeder Sitzung zur Diskussion gestellt. Die Massnahmen-umsetzung wird überwacht. Die interne Revision führte im Berichtsjahr sechs Revisionen durch. Zur Durchführung der Audits kann der Leiter interne Revision auf ein Co-Sourcing mit einer von der externen Revision unabhängigen Prüfungsgesellschaft zurückgreifen.

Risk Management Risk Management ist für Swissgrid ein integraler Bestandteil effektiver und umsichtiger Unternehmensführung. Das Risk Management der Swissgrid umfasst die gesamte Organisation, beachtet etablierte Standards (ISO 31000) und erfüllt die eigenen Anforderungen an die Corporate Governance sowie die des schweizerischen Gesetzes.

Ziele Das Risk Management unterstützt die Geschäftsleitung im bewussten Umgang mit Risiken, in der zweck-mässigen und transparenten Berichterstattung, in der Führung und Dokumentation eines angemessenen Risk- Management-Systems sowie in der Aufrechterhaltung einer Unternehmenskultur, die einen bewussten Umgang mit Risiken pflegt.

Organisation Der Verwaltungsrat delegiert die Umsetzung des Risk Managements an den CEO von Swissgrid. Dieser hat die zentrale Organisationseinheit Risk Management, welche direkt dem CFO unterstellt ist, damit betraut. Sie führt den Risk-Management-Prozess und ein virtuelles Team von Spezialisten in allen Business Units der Swissgrid.

Prozess Das umfassende, jährliche Risk Assessment ist ein integraler Teil des Strategieprozesses. Die wesentlichen Risiken werden im Rahmen dieses mehrstufigen, strukturierten Prozesses identifiziert und beurteilt. Zudem werden Ziel-/Schwellenwerte und Strategien zum Umgang mit diesen Risiken definiert. Die Überwachung der Risiken, einschliesslich Wirksamkeit und Umsetzungsgrad der getroffenen Massnahmen, erfolgen bei vierteljährlichen Risk Updates. Die Ergebnisse des Risk Assessments und der Risk Updates werden vierteljährlich an die Geschäftsleitung und halbjährlich an den Verwaltungsrat berichtet.

Risikosituation Treiber für Risiken sind im nationalen, aber auch im europäischen politischen und regulatorischen Umfeld, in den anspruchsvollen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Branche und den Entwicklungen im Bereich der Marktgestaltung, der Produktion und Verteilung zu suchen.

Strategische Risiken

  • Umsetzung strategisches Netz: Das beschlossene strategische Netz kann zum Beispiel aus Verfahrensgründen oder durch Aktivitäten von Interessenvertretern nicht zeitgerecht fertiggestellt werden. Dadurch kann der Abtransport der Energieproduktion oder der Transit von Energie eingeschränkt sein.
  • Gefährdung finanzielle Stabilität: Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme aufgrund negativer Ver- fahrensentscheide, abnehmender Innenfinanzierungskraft, nicht anrechenbarer Kosten etc. mit entsprechenden Auswirkungen auf KPIs wie EK-Quote, Zinsdeckungsgrad, Rating.
  • Reputationsverlust: Reputationsverlust kann zu Einschränkungen in der Handlungsfähigkeit im In- und Ausland führen. Durch die Verbindung mit negativen Themen, die stärkere Sichtbarkeit durch die Netz-übernahme und als börsenpflichtiges Unternehmen steigt die Attraktivität für Angriffe auf die Reputation.
  • Unklare Branchen-Strukturen und Rollenverteilung: Die Rolle von Swissgrid ist auf nationaler und internationaler Ebene herausgefordert. In Europa gefährden Zentralisierungstendenzen und ein potentiell erschwerter Zugang zu wichtigen Gremien den Handlungsspielraum. National besteht die Gefahr, dass die Interessen der Swissgrid gegenüber der Branche nur unzureichend durchgesetzt werden können.
  • Operative Risiken
  • Betriebs-/Infrastrukturstörung: In Extremsituationen können unzureichende Regelreserve, Nichtverfügbarkeit von Vorhalteleistung in der Schweiz, der Ausfall von mehreren zentralen Funktionen zu einem Verlust der Regelfähigkeit führen. Störungen der Infrastruktur können z.B. durch Ausfälle von Betriebsmitteln ausgelöst werden, verursacht u.a. durch höhere Gewalt oder Unfälle. Eine Betriebs- oder Infrastrukturstörung kann zudem durch einen Sicherheitszwischenfall verursacht werden. Mögliche Angriffe auf physische oder ICT-Infrastruktur (z.B. Cyber-Angriff) können zu einer eingeschränkten Verfügbarkeit von wichtigen Systemen und Prozessen führen.
  • Marktversagen: Spekulatives Verhalten von Marktteilnehmern kann zu einem gefährdeten Netzzustand führen, wozu die fehlende Implementierung der EU Network Codes im Schweizer Regelwerk beitragen kann.
  • Nicht ausreichendes Fähigkeits-/Skillsportfolio: Der fortlaufende Wandel in der Branche führt dazu, dass kurz- und mittelfristig andere Kompetenzen notwendig sein werden, um zukünftigen Herausforderungen gerecht werden zu können.

4. Geschäftsleitung

4.1 Mitglieder der Geschäftsleitung, weitere Tätigkeiten und Interessenbindungen

v.l.n.r.: Dr. Jörg Spicker, Luca Baroni, Pierre-Alain Graf, Yves Zumwald, Rainer Mühlberger

Name, Nationalität, Funktion, Ausbildung Mitglied der Geschäftsleitung seit Berufliche Erfahrungen, Werdegang Weitere Tätigkeiten und eventuelle Interessenbindungen
Pierre-Alain Graf (*1962, CH) CEO, lic. iur, lic. oec. HSG 1. Februar 2009 General Manager Cisco Systems Schweiz AG (2006 bis 2008); zuvor für Colt Telecom Group Ltd. tätig Verwaltungsratspräsident der Verfahrensgesellschaften (vgl. Finanzberichterstattung Seite 56), Verwaltungsrat Cesoc AG
Luca Baroni (*1971, CH und I) Corporate Services, Betriebsökonom FH 15. Dezember 2006 CFO Etrans AG (2005 bis 2006); zuvor CFO Energiedienst Holding AG sowie für EGL AG, WATT AG und Migros-Genossenschaftsbund tätig Verwaltungsrat der Verfahrensgesellschaften (vgl. Finanzberichterstattung Seite 56)
Rainer Mühlberger (*1958, CH und D) Strategy & Development, Dipl.-Ingenieur, MBA 1. Oktober 2013 Seit 2011 Swissgrid; zuvor CEO Swisscom Directories AG; vorher Swisscom Fixnet AG, zuletzt als CIO Keine
Dr. Jörg Spicker (*1957, D) Market Operations, Dipl.-Physiker 1. Oktober 2013 Zuletzt Senior External Advisor für McKinsey Inc., zuvor Vorstand bei Alpiq Energie Deutschland AG; zuvor Geschäftsführer bei Aquila Energy GmbH Keine
Yves Zumwald (*1967, CH) Grid Operations, Dipl.-Ing., M.Sc Energie ETH 1. Januar 2014 Vertriebsdirektor Romande Energie Holding (2009 bis 2013); zuvor für EOS Holding tätig BWL Leiter Abteilung Elektrizität

Austritte infolge Reorganisation in der Berichtsperiode:

  • Wolfgang Hechler, Grid Operations a.i., per 1. Januar 2014

Das im Berichtsjahr ausgetretene Mitglied der Geschäftsleitung verbleibt in der Swissgrid.

5. Entschädigungen

Die Mitglieder des Verwaltungsrates erhalten eine feste Entschädigung (Honorar und Spesen), deren Höhe für den Präsidenten und die weiteren Verwaltungsräte abgestuft ist. Die Entschädigung für die Mitglieder der Geschäftsleitung besteht aus Grundgehältern (inkl. Pauschalspesen) sowie variablen Lohnanteilen, die von der Erreichung von Unternehmens- und persönlichen Zielen abhängig sind. Die Höhe der Entschädigung für die Mitglieder der Geschäftsleitung wird durch den Personal- und Entschädigungsausschuss festgelegt. Die Vergütungen an Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sind im Anhang der Jahresrechnung auf den Seiten 49 und 50 offengelegt.

6. Mitwirkungsrechte

Die Vermögens- und Mitwirkungsrechte der Aktionäre sind im Gesetz und in den Statuten geregelt. Es bestehen keine statutarischen Regelungen, welche vom Gesetz abweichen.

7. Externe Revision

7.1 Mandat und Honorare

KPMG AG, Basel, ist die gesetzliche Revisionsstelle der Swissgrid AG. Das Revisionsmandat wurde der KPMG erstmals für das Geschäftsjahr 2005/2006 (Langjahr) erteilt. Der leitende Revisor, Orlando Lanfranchi, übt seine Funktion seit dem Geschäftsjahr 2005/2006 aus. Die Revisionsstelle wird für eine einjährige Amtsdauer von der Generalversammlung gewählt. Für die Tätigkeit als Revisionsstelle erhielt KPMG im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Entschädigung von CHF 249 000. Weitere Leistungen, erbracht im Zusammenhang mit der Überführung von weiteren Teilen des Übertragungsnetzes, wurden mit insgesamt CHF 58 000 entschädigt.

7.2 Informationsinstrumente

Der Finanz- und Prüfungsausschuss beurteilt jährlich die Wirksamkeit der externen Revision. Zu deren Beurteilung nutzen die Mitglieder des Ausschusses ihre Kenntnisse und Erfahrungen, über die sie aufgrund ähnlicher Aufgaben in anderen Unternehmen verfügen. Weiter stützen sie sich auf die von der externen Revisionsstelle erstellten Dokumente wie den umfassenden Bericht sowie die mündlichen und schriftlichen Stellungnahmen zu Einzelaspekten im Zusammenhang mit der Rechnungslegung, dem internen Kontrollsystem und der Revision.

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